Branchen im Fokus – Wie Autonomie branchenspezifische Mobilität neu definiert
Autonome Mobilität ist keine Einheitslösung. Einsatzorte und Einsatzgründe variieren stark – ebenso wie Anforderungen, Risiken und Potenziale. Vom fahrerlosen Shuttle bis zum teleoperierten Militärkonvoi: Autonomie muss sich jeder Branche anpassen.
In diesem Beitrag verlassen wir das Labor und gehen in die Praxis. Wir zeigen, wie verschiedene Sektoren autonome Systeme bereits heute einsetzen – und warum Steuerungsarchitektur, Sicherheitsdesign und Infrastrukturanforderungen je nach Domäne unterschiedlich aussehen.
Öffentlicher Verkehr: Autonomie für Inklusion und Effizienz
Anwendung:
Geofenced Level-4-Shuttles in Stadtvierteln oder ländlichen Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte.
Ziele:
- Erschließung von Gebieten mit geringer Nachfrage
- Senkung der Betriebskosten
- Barrierefreie Mobilität für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung
Herausforderungen:
- Fahrgastsicherheit ohne Fahrer
- Interaktion mit Radfahrern, Fußgängern, Kreuzungen
- Integration in Verkehrsleit- und ÖPNV-Systeme
Referenz:
In Deutschland operieren Pilotprojekte z. B. in Kelheim und Monheim unter realen Bedingungen – mit Remote-Leitzentralen, V2X-Kommunikation und Leitstandsanbindung.
Logistik & Letzte Meile: Der 24/7-Autonomierausch
Anwendung:
Autonome Lieferroboter, Hoftrucks und Lagerfahrzeuge für häufige Kurzstreckeneinsätze.
Ziele:
- Überwindung von Personalknappheit
- 24/7-Betrieb ohne Pausen
- Automatisierung repetitiver Abläufe in geschlossenen Umgebungen
Technologie-Schwerpunkte:
- Hochpräzises Drive-by-Wire
- Pfadplanung für enge, strukturierte Räume
- Teleoperation als Fallback-Lösung
Einsatzbezug:
Die redundanten Lenksysteme von Arnold NextG sind bereits in flottentauglichen Logistikplattformen verbaut – mit niedriger Geschwindigkeit, voller Teleoperationsfähigkeit und sicherheitszertifizierter Steuerung.
Häfen & Hofautomatisierung: Kontrollierte Umgebung, komplexe Abläufe
Anwendung:
Selbstfahrende Terminal-Traktoren und Cargotransporter zwischen Kai, Lager und Kränen.
Ziele:
- Durchsatz erhöhen
- Sicherheit in Arbeitsbereichen mit hohem Personenaufkommen
- Betrieb rund um die Uhr ohne Schichtwechsel
Anforderungen:
- Lokalisierung mit Zentimetergenauigkeit
- Echtzeit-Flottensteuerung
- Vorhersehbare Fallback-Modi
Technologieeinsatz:
OEMs wie Volvo erproben hybride Systeme aus Autonomie und Fernsteuerung, basierend auf Drive-by-Wire-Integration und infrastrukturseitiger Sensorik.
Bergbau & Bauwesen: Autonomie unter Extrembedingungen
Anwendung:
Muldenkipper, Bagger, Planierraupen – meist in Minen oder Großbaustellen, häufig ohne GPS.
Ziele:
- Menschen aus Gefahrenzonen entfernen
- Produktivität bei schlechtem Wetter oder schwierigem Gelände aufrechterhalten
- Autonom oder ferngesteuert betreiben
Technische Besonderheiten:
- Wahrnehmung dominiert von LiDAR
- Teleoperation bei geringer Bandbreite
- Redundante Systeme wegen Vibration, Staub und Erschütterung
Praxisbezug:
Mechanische Steuerung ist für Retrofit-Projekte oft unbrauchbar – hier wird Drive-by-Wire zur Schlüsseltechnologie.
Verteidigung & Taktische Mobilität: Risiko senken, Präzision erhöhen
Anwendung:
Teilautonome oder ferngesteuerte Truppentransporter, Logistikkonvois, Aufklärungseinheiten.
Ziele:
- Minimierung der Gefährdung für Soldaten
- Logistik automatisieren, auch unter Bedrohung
- Evakuierungen und Nachschub in unsicheren Gebieten ermöglichen
Besondere Anforderungen:
- Gehärtete, redundante Steuerungssysteme
- Cyber-Resilienz (z. B. NATO STANAG, UNECE R155)
- Duale Steuerlogik: Fernsteuerung + Notfallsteuerung an Bord
Systemintegration:
Die Architektur von Arnold NextG wurde mit führenden Verteidigungsanbietern abgeglichen – inklusive SAFE_CAN, redundanter ECU-Architektur und militärtauglicher Robustheit.
Landwirtschaft: Präzise Autonomie im Großmaßstab
Anwendung:
Traktoren, Erntemaschinen, Sprüheinheiten – autonom gesteuert entlang vordefinierter Routen.
Ziele:
- Abhängigkeit von Saisonarbeit reduzieren
- Ressourcenverbrauch (Treibstoff, Saatgut, Pflanzenschutz) optimieren
- Betrieb in wechselndem Gelände ermöglichen
Technik-Fokus:
- GNSS + RTK-Korrektursignale
- Edge-Computing & dezentrale Fahrentscheidungen im Fahrzeug
- Einhaltung von ISO 25119 (Sicherheit in Landmaschinen)
Einsatz:
NX NextMotion wird in landwirtschaftlichen Pilotprojekten eingesetzt – für sichere Navigation auf unstrukturiertem Gelände ohne permanente Überwachung.
Fazit: Maßgeschneiderte Autonomie – auf gemeinsamen Grundlagen gebaut
Autonomie sieht in jedem Sektor anders aus – aber basiert immer auf denselben Pfeilern:
- Sensorbasierte Wahrnehmung
- Robuste Planungs- und Entscheidungssoftware
- Zertifizierte, fehlertolerante Steuerungssysteme
- Skalierbare, vernetzte Infrastruktur
Die Zukunft der Autonomie ist sektorspezifisch – aber systemisch gedacht. Und Arnold NextG ist Teil dieser Systeme – mit Steuerungslösungen, die bereits heute zuverlässig funktionieren.
Im letzten Teil unserer Serie zeigen wir, wer dieses Ökosystem eigentlich möglich macht – von Regulierungsbehörden über Systemintegratoren bis zu Drive-by-Wire-Pionieren.
Quellen
- BMDV (2024), Handbuch Autonomes Fahren – Öffentlicher Verkehr
- Volvo Autonomous Trucks Report, 2025
- Arnold NextG (2025), Position Paper - Military Strategy
- Arnold NextG, interne Einsatznachweise (NX NextMotion)
- Vergleichsstudie FMVSS vs. ISO & ECE, 2024