17.02.2026

Branchen im Fokus – Wie Autonomie branchenspezifische Mobilität neu definiert

Autonome Mobilität ist keine Einheitslösung. Einsatzorte und Einsatzgründe variieren stark – ebenso wie Anforderungen, Risiken und Potenziale. Vom fahrerlosen Shuttle bis zum teleoperierten Militärkonvoi: Autonomie muss sich jeder Branche anpassen.

In diesem Beitrag verlassen wir das Labor und gehen in die Praxis. Wir zeigen, wie verschiedene Sektoren autonome Systeme bereits heute einsetzen – und warum Steuerungsarchitektur, Sicherheitsdesign und Infrastrukturanforderungen je nach Domäne unterschiedlich aussehen.

Öffentlicher Verkehr: Autonomie für Inklusion und Effizienz

Anwendung:
Geofenced Level-4-Shuttles in Stadtvierteln oder ländlichen Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte.

Ziele:

  • Erschließung von Gebieten mit geringer Nachfrage
  • Senkung der Betriebskosten
  • Barrierefreie Mobilität für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung

Herausforderungen:

  • Fahrgastsicherheit ohne Fahrer
  • Interaktion mit Radfahrern, Fußgängern, Kreuzungen
  • Integration in Verkehrsleit- und ÖPNV-Systeme

Referenz:
In Deutschland operieren Pilotprojekte z. B. in Kelheim und Monheim unter realen Bedingungen – mit Remote-Leitzentralen, V2X-Kommunikation und Leitstandsanbindung.

Logistik & Letzte Meile: Der 24/7-Autonomierausch

Anwendung:
Autonome Lieferroboter, Hoftrucks und Lagerfahrzeuge für häufige Kurzstreckeneinsätze.

Ziele:

  • Überwindung von Personalknappheit
  • 24/7-Betrieb ohne Pausen
  • Automatisierung repetitiver Abläufe in geschlossenen Umgebungen

Technologie-Schwerpunkte:

  • Hochpräzises Drive-by-Wire
  • Pfadplanung für enge, strukturierte Räume
  • Teleoperation als Fallback-Lösung

Einsatzbezug:
Die redundanten Lenksysteme von Arnold NextG sind bereits in flottentauglichen Logistikplattformen verbaut – mit niedriger Geschwindigkeit, voller Teleoperationsfähigkeit und sicherheitszertifizierter Steuerung.

Häfen & Hofautomatisierung: Kontrollierte Umgebung, komplexe Abläufe

Anwendung:
Selbstfahrende Terminal-Traktoren und Cargotransporter zwischen Kai, Lager und Kränen.

Ziele:

  • Durchsatz erhöhen
  • Sicherheit in Arbeitsbereichen mit hohem Personenaufkommen
  • Betrieb rund um die Uhr ohne Schichtwechsel

Anforderungen:

  • Lokalisierung mit Zentimetergenauigkeit
  • Echtzeit-Flottensteuerung
  • Vorhersehbare Fallback-Modi

Technologieeinsatz:
OEMs wie Volvo erproben hybride Systeme aus Autonomie und Fernsteuerung, basierend auf Drive-by-Wire-Integration und infrastrukturseitiger Sensorik.

Bergbau & Bauwesen: Autonomie unter Extrembedingungen

Anwendung:
Muldenkipper, Bagger, Planierraupen – meist in Minen oder Großbaustellen, häufig ohne GPS.

Ziele:

  • Menschen aus Gefahrenzonen entfernen
  • Produktivität bei schlechtem Wetter oder schwierigem Gelände aufrechterhalten
  • Autonom oder ferngesteuert betreiben

Technische Besonderheiten:

  • Wahrnehmung dominiert von LiDAR
  • Teleoperation bei geringer Bandbreite
  • Redundante Systeme wegen Vibration, Staub und Erschütterung

Praxisbezug:
Mechanische Steuerung ist für Retrofit-Projekte oft unbrauchbar – hier wird Drive-by-Wire zur Schlüsseltechnologie.

Verteidigung & Taktische Mobilität: Risiko senken, Präzision erhöhen

Anwendung:
Teilautonome oder ferngesteuerte Truppentransporter, Logistikkonvois, Aufklärungseinheiten.

Ziele:

  • Minimierung der Gefährdung für Soldaten
  • Logistik automatisieren, auch unter Bedrohung
  • Evakuierungen und Nachschub in unsicheren Gebieten ermöglichen

Besondere Anforderungen:

  • Gehärtete, redundante Steuerungssysteme
  • Cyber-Resilienz (z. B. NATO STANAG, UNECE R155)
  • Duale Steuerlogik: Fernsteuerung + Notfallsteuerung an Bord

Systemintegration:
Die Architektur von Arnold NextG wurde mit führenden Verteidigungsanbietern abgeglichen – inklusive SAFE_CAN, redundanter ECU-Architektur und militärtauglicher Robustheit.

Landwirtschaft: Präzise Autonomie im Großmaßstab

Anwendung:
Traktoren, Erntemaschinen, Sprüheinheiten – autonom gesteuert entlang vordefinierter Routen.

Ziele:

  • Abhängigkeit von Saisonarbeit reduzieren
  • Ressourcenverbrauch (Treibstoff, Saatgut, Pflanzenschutz) optimieren
  • Betrieb in wechselndem Gelände ermöglichen

Technik-Fokus:

  • GNSS + RTK-Korrektursignale
  • Edge-Computing & dezentrale Fahrentscheidungen im Fahrzeug
  • Einhaltung von ISO 25119 (Sicherheit in Landmaschinen)

Einsatz:
NX NextMotion wird in landwirtschaftlichen Pilotprojekten eingesetzt – für sichere Navigation auf unstrukturiertem Gelände ohne permanente Überwachung.

Fazit: Maßgeschneiderte Autonomie – auf gemeinsamen Grundlagen gebaut

Autonomie sieht in jedem Sektor anders aus – aber basiert immer auf denselben Pfeilern:

  • Sensorbasierte Wahrnehmung
  • Robuste Planungs- und Entscheidungssoftware
  • Zertifizierte, fehlertolerante Steuerungssysteme
  • Skalierbare, vernetzte Infrastruktur

Die Zukunft der Autonomie ist sektorspezifisch – aber systemisch gedacht. Und Arnold NextG ist Teil dieser Systeme – mit Steuerungslösungen, die bereits heute zuverlässig funktionieren.

Im letzten Teil unserer Serie zeigen wir, wer dieses Ökosystem eigentlich möglich macht – von Regulierungsbehörden über Systemintegratoren bis zu Drive-by-Wire-Pionieren.

Ein freundlich lächelnder glatzköpfiger Mann mit Brille der Mathias Koch ist un dein Ansprechpartner ist.
Mathias Koch
Business Development

Quellen

  • BMDV (2024), Handbuch Autonomes Fahren – Öffentlicher Verkehr
  • Volvo Autonomous Trucks Report, 2025
  • Arnold NextG (2025), Position Paper - Military Strategy
  • Arnold NextG, interne Einsatznachweise (NX NextMotion)
  • Vergleichsstudie FMVSS vs. ISO & ECE, 2024